, in der Epidemie 1850 und 51 in Pennsylvanien machte sich in der Verbreitung der Krankheit kein Un- terschied bezüglich der tiefen oder hohen Lage der Oertlichkeit bemerklich, in der grossen Ruhrepidemie 1779 in Frankreich kam die Krankheit in der Champagne gerade nur in den hoch und günstig gelegenen Gegenden vor 5), in den Jahren 1841 und 42 blieb die Epidemie im Canton Zug nur auf die tiefgelegenen Orte beschränkt, dagegen trat sie im folgenden Jahre, mit Umgehung derselben, ausschliesslich auf den Höhen auf ^), im Jahre 1726 zeigte die Krankheit bei ihrer allgemeinen Verbreitung in Deutsch- 1) Vgl. die Berichte von Balfour ans Madras uod von Green ans Feroiepnr (ProT. DeOd). 3) So sah u. a. Ilejmann Ruhr epidemisch in dem 1800' hoch ^legenen Salatiga (aof Java), das sich eines erfrischenden Bergklimas erfreut, während das In der Ebene und nur we- nige 100' hoch gelegene Oenarang von der Krankheit guns venohont war. S) Sehr hemerkenswerth ist , dass, während Bahr auf Jamaika Oberhaupt verhCtnissmlssig nicht häutig ist, die Krankheit, nach Mason, in dem westlichen, gebirgigen Theil der Insel vorzugsweise endemisch herrscht. 4) Agnew in Amer. med. Sxiun. 185S Jnli. 5) Vetillard Bist, des malad. 6pid. du Haine, Par. 1779. 18. 6) Meri L e. 48. Orgmn-KrankhBiteB* Kuhr. 237 wie Horfuiann bemerkt*}, in hügelig oder boeh gelegenen Orten "Weit giössere Frequenz und BösarLis^keiU als in den Tielebenen des ndes, und wenn bayeriscbe und würtembergische Äerzle das Forlschrei- dcr Scucbe von den Ebenen gegen die Höhen in der Epidemie des hres 1834 besonders belonen zu müssen glaubten, so lehne das fast ir auf die böchstgele^enen Gegenden Würlembergs beschränkte Vorherr- hen von Ruhr im Jahre 1838, wie wenig jene vereinzelte Erfahrung zu ligemeinen Schlüssen berechtigen durfte; ,,Dn Ehrharter konnte**, wie in dem Bunchte über die Epidemie im Jahre 1834 in Tyrol beisst, „mit Ausnahme eines unverkennbaren, allmäügen Fortschreitens der Seuche ?on Wesl nach Osl keine besonderen Verbreilnngsgesetze ausmilletn; sie ei^lo sich mit gleicher Bösartigkeit in den Hochbergen Brixenlhals und ^iederndorls, in dem eingeengten Thalboden von Hopfgarten, der w^eilen Ebene von Ebbs," in den E|iidemien 1850 und 1857 in Krain lagen die Lrankheitsrayons, wie Gausler erklärt, iheilweise in der Ebene, theil* eise auf Hügelland, iheils auf Bergen u. s. w. §- 112. Die Gesteinsart des Bodens äussert, wie die Verbreitung rankheit als Endemie und ihr Vorkommen als Epidemie lehrt, auf _ uhrgenese gar keinen Einfluss, imd namentlich erscheint die von inzelnen Seiten gellend gemachte Annahme, dass sich Kalkboden einer esondeien Exemplion von Ruhr erlreui, ganz unhaltbar. Schon gegen ade des vorigen Jahrhunderts war diese Ansicht ausgesprochen worden, ti* a. von Harris 3), der sich darauf beriet» dass in der Epidemie 1797 der Grafschaft Mifflini Penns., die anf Kalkboden gelegenen Ortschaften jn der Krankheit ganz verschont blieben, und nenerlichsl hat Boudin*) ü die auf Guadeloupe gemachten Beobachtungen hingewiesen, wo im Ge- zu den vorzugsweise aufKalkboden endemisch herrschenden Ma- rn, Ruhr hauptsiichlich auf vulkanischem Boden heimisch ist ichc, innerhalb der letzten Decennien in Nordamerika angestellte, Be- iltungen haben nun den Beweis geliefert, dass jene Annahme durch- HS unzulässig, die Verbreitung von Ruhr von geologischen Einflüssen %nz unabhängig ist, und dassellae Resultat ergeben auch anderweitig an- estetlte Untersuchungen; schon auf den Antillen finden wir die Krankheit errschend auf dem Kalkboden von Barbadoes und dem westlichen, |igen Theile von Jamaica, und ebenso herrscht sie in Indien endemisch ^eisenhaltigem Kalksteine auf der Hochebene von Midnapur*); die Er- rungen aus der Ruhrepidemie 1850 in Pcnnsylvanien ergaben bezüg- ,def Krankheitsverbreilung auf den verschiedenen Bodenlörmationen US negative Resullaie, und speciell mit Rücksicht auf das angebliche lersehoDtbleiben des Kalkl»odens in MitTlin CL von Ruhr im Jahre 179? igst es aus eben der Epidemie vom Jahre J850: „the assertion that Jysrntery never prevails epidemically upon ihe limeslone, is not born ml by Qur experience here." ferner bei Ogier aus East-Whileland: could discover no local cause of ^he disease; indeed it appeared in Imosl every variety of Situation: on ihe summit of the slale hüls, in (Ihe rolling country lo ihe soulh and east, as well as in the limesiona fallry," bei Griifilh aus der Grafschfilt ehester: J huve not noticed, ^han any of ihese diseases have been more liable to occur in one geo- «fjcai formalion Ihan anolher/' bei Beaker aus der Gralschall Berks: geologicat formations on which my cases occurred, were generaüy 1)1' G- obi* ^> 11 In Oettott« m«d. Jahth. XI. i33, a) Hr«r<T(irk toed. Uopm* IV. lOÖ. 4j AnaL dHy«* IXXn. «7. fij &oo4eT« In lDdl& J. ^ meC bc* isa«, IL 4ä^ 238 Hirich, IditoriBoh geognpliudM Pathologie. ^the limestone,'' wiewohl die Krankheit, wie er seinen Erfehrangen nach hinzufügt, auf Kies und Schiefer meist bösartiger zu verlaufen pflegt, so- dann in dem Berichte aus der Grafschaft Hunlingdon: „in the fall of 1849 „dysenlery prevailed wilh much violence in a limestone distriet in the „north-eastern part of the country, while the neighbouring slate fonnalion „distriet, with a few exceplions remained free from that diseasc" u. 8. w, und zu demselben Resultate haben die Erfahrungen in der Ruhrepidemie 1853 in Pennsylvanien gefuhrt, aus denen ebenfalls hervorgeht, dass die Krankheit eben so verbreitet, und eben so bösartig auf Kalkstein, wie aaf Kies, rothem Sandstein, Kohle u. a. Formationen vorkam ; in dem Berichte über die Epidemie 1826 in Roche-Blanche (Dept. Puy-de-Ddme) bemerkt Peghoux 1), dass die Ortschaft auf Kalkboden liegt, und dass sich die Krankheit hier alljährlich im Herbste zeigt, also fast den Namen eines endemischen Leidens verdient; bezüglich der Krankheitsverbreitung in der grossen Epidemie \&Hi in Wurtcmberg erklärt Hauff^): „abgesehen von „ihren zeillichen Modifikationen verlief sie ohne alle Rucksicht auf Höhe „und Tiefe und auf die BeschafTenheit des Bodens in jeder Hinsicht eigent- lich ganz gleich,** und dieselbe Unabhängigkeit von Bodenverhältnissen zeigte die Krankheit in ihrer epidemischen Verbreitung eben dort im Jahre 1854, indem sie, nach dem Berichte von Koestlin 3), ebenso auf Urge- birge, wie auf buntem Sandstein, Muschelkalk, Keuper, Lias, Jura u. s. w. auftrat; in dem mehrfach citirlen Berichte von Gauster über die Epi- demie von 1856 und 57 in Krain heisst es: „der Boden ist in den ver- schiedenen Epidemierayons theils Gerolle aus den Steirer Kalkalpen, theils lehmig, theils ein ziemlich guter Humusboden," und viele ähnliche Erfah- rungen über das Vorherrschen von Ruhr auf Kalkboden, so wie über die Unabhängigkeil der Krankheitsverbreilung von geologischen Verhältnissen überhaupt, liegen aus zahlreichen andern Gegenden der Erdoberflache vor. §. 113. Eine besonders grosse Bedeutung für das Vorkommen von Ruhr, als Endemie, wie als Epidemie, ist von zahlreichen Beobachtern, sowohl aus den tropischen, wie aus den gemässigten! Breiten, der Feuch- tigkeit des Bodens und speciell Sumpfboden beigelegt, und die Krankheitsgenese zumeist mit der, unter den genannten Verhältnissen ent- wickelten, Malaria in einen kausalen Zusammenhang gebracht worden. Die eifrigsten Vertreter dieser Ansicht finden wir zunächst unter den mdi- schen Aerzten. „Of dysenlery as well as of fevers/' erklftrt Annetley*), „ft mty be eon* „fidenlly staled , that all silDations prodoctive of lerrestrial emanaliona, er maltria, and „wbicb fornish exhalations from the decay of animal er vegetabie prodoeliont, ander „the Operation of a moist and hot State of the atmosphere, will always occtsion dyscn- „tery in Ihc predisposed subject." Und ferner &): „This latter maiady (dyteotery) ii „most frequenily the resull of Ihose causes amongst troops on aclual Service io a „warm and unheallhy country, particularly doring the ralny season and in the vicialty „of large rivers, canals and places aboiinding with emanallons from the decay of „animal and vegelable matlers. Whcn troops are slalioned in the neighboarhood „of ihose localiiies, dysenlery generally becomes exiremeiy prevalent, and often assn- „mes characlers ol a more or less malignant natura, — a circnrnstanee that secms „to be promoled by the prescnce of animal matter in the exbaialions, which with other „causes, combine to generale the disease." In ähnlicher Weise sprechen sich einzelne Beobachter, wie Mason, Hunter^), Rollo u. a., bezüglich der Krankheitsgenese auf den Antillen, 1) Joum. g6n. de M^d. XL1X. 828. 2) L c. 181. 8) Wlifhf . med. OeiraM. ZZV. N. 34. 4) 1. c. S96. 5) 1. 0. 408. 6) Lond. med. Gas. 1. c. Orftn - ErankheHeB . Buhr. 239 « a«s Florida, Sigüod^} aus Brasilien. Haspel nud Perier aus lef nus; ebenso wird das vereinzelie endemische Vorherrschen der heil in g:emässlglen Breiten, so auf den sumpfigen Küslen des Golfs eapel von Brunn er, an den ülern des Siljan Sees (Dalome) von usa, in der Umgegend von Dorpal und andern Gegrenden Eslhlands n Oesterlen u. s, w., mit dem obengen^innten ätiologischen Momente eineä mehr oder weniger nahen, kausalen Zusammenhang gebracht, id ebenso jE^lauben einzelne Beobaehier. wie namentlich Baly^) für die libank Penilentia^^ das endemische Vorkommen von Buhr in Gefang- ssen und ähnlichen Lokati täten auf den Einfluss desselben zurück] uhren müssen. ,*A c!oac connecKon,'* bemerltt Bttly, nach einer Reih« bcweiicndeTThalsacheij, «dell in ßciuf nof das genunnle Gefängniss, ,,aübstsle belweea dysenlery and fever, wd ibe pri*vai«nee oI dytetilery atid oi ibe bowel toinplainlti aUied ta ii, it ^reales! U Üiose leaKOQs and m those »lile» of tbe almosptierc, which moit hvouf decompO' litioQ of or^antc maller qf iht^ ioil ; now iht^s« Iwo fuels, togctber mih ihc eDDslint re ^Joiciit conilanl« prcience of Ibe djteai« in a ruJld form, and the ab&enctj &( Iher cauAes capablt ot accouDllng^ ht il, sali^ry my mind, Ibat the dyseatery ob- icfved ifl tbe Penitenliary at Millbank ii really produced by tnalaria/^ Schliesslich darf nicht unerwähnt bleiben, duss bei verschiedenen idemischen Ausbrüchen von Buhr, Feuchtigkeit und besonders sumpfige eschttflenheit des Bodens ein wesentliches Moment Tür die Krankheits- oese abgegeben haben soll; so urlheill u. a. Bell^) über die Epidemie 529 in der Gralschari Greene, Alab,, wo die Krankheit vorzugsweise nur feuchlgelegenen Gegenden auilrat, ferner Montagnier bezüglich der pidemie I8'i6 im Dpi. Finislerre, wo ebenloUs nur lief und feucht gele- ne Onschatlen heimgesucht wurden, ßoulel über die Epidemie 1836 der Sologne, Gauüier de Claubry bezüglich der Krankheit im J- Pö*i in 5 Gemeinden der Dpts. Cote-d'Or, Marne, Morbihan, Somme und osges, welche alle u, a, das mit einander gemein haben, dass sie tief id__ feucht liegen, sehr schmutzige Strassen» und kleine, niedrige, schlecht lut\elc Wohnungen haben, de la ilarpe, welcher bezüglich der Epi-